Geschickt eingefädelt- Wer näht am besten? Guido Maria Kretschmer

Publiziert am 20. Oktober 2015

 

Geschickt eingefädelt: Guido Maria Kretschmer am Rande der Pressekonferenz in Berlin.Der Modedesigner und Stylingexperte Guido Maria Kretschmer sucht nach Deutschlands bestem Hobbynäher.

Wir sind für Euch nach Berlin zur Pressekonferenz und Vorstellung des ersten Nähwettbewerbs im deutschen Fernsehen gefahren, um Guido, Anke Müller  und Inge Szoltysik-Sparrer zu treffen und einige Fragen zu stellen.

Ausnahmsweise heißt es heute nicht „Ladies first“ sondern wir beginnen unsere Interviewserie zur Sendung mit „Geschickt eingefädelt“-Gastgeber und Juror Guido Maria Kretschmer höchstpersönlich.

 

 

„Geschickt eingefädelt“ bringt das Nähen ins deutsche Fernsehen.

guido_geschickteingefaedeltFür Executive Producer Jan Biekehör von VOX war von Anfang an klar:

„Wenn wir diese Show in Deutschland machen wollen, dann nur mit einem Einzigen, mit Guido Maria Kretschmer.

Er steht in Deutschland wie kein anderer für die Begeisterung für Mode und hat auch in seinem eigenen Leben eine ganz große Nähe zum Thema Nähen.“

Für Guido Maria Kretschmer wurde eigens das Konzept der britischen Vorlage „The Great British Sewing Bee“ leicht abgewandelt, so dass er nicht nur Moderator ist, sondern als Gastgeber und Jurymitglied der Nähsendung eng an der Seite der Kandidaten und seiner Mitjurorinnen steht.

 

So nahbar wie Guido Maria Kretschmer sich in seinen Sendungen zeigt, so tritt er auch in der Pressekonferenz auf.

 

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schuhe_guido_maria_kretschmerIn bester Plauderlaune und mit viel Hingabe und Geduld ist er für Journalisten und Fotografen da, beantwortet unzählige Fragen, scherzt mit seinen Mitjurorinnen und glänzt vom spitzbübischen Grinsen bis hin zu seinem Schuhwerk. Er hat sichtlich Spaß daran, über sein neustes Projekt zu sprechen und man merkt, wie sehr ihm das Format am Herzen liegt.

Was sagt Guido Maria Kretschmer über seine neue Sendung?

Was war sein schlimmstes Erlebnis mit einem selbstgenähten Teil und was näht er selbst am allerliebsten?

 

Für Euch haben wir auf der Pressekonferenz die Ohren gespitzt und auch eigene Fragen stellen können!

 

Geschickt eingefädelt: Guido Maria Kretschmer über seine neue Sendung

,Geschickt eingefädelt‘ ist für mich nicht nur ein großes Vergnügen, sondern auch fast eine logische Konsequenz, denn es verbindet meine textile Ausbildung, meinen Beruf als Designer und jemanden, der sehr gerne näht, mit meiner Tätigkeit als Fernsehschaffender. Mit der Sendung haben wir die Möglichkeit, den Zuschauern zu zeigen, wie wunderbar es ist, auch etwas selbst zu machen, dass es gar nicht so viel Geld braucht, sondern Liebe und Kreativität. Ich bin mir sicher, dass unser neues Programm den Leuten sehr gut gefallen und vermutlich sogar eine ganz neue Nähbewegung in unserem Land lostreten wird. Das ist ein ganz großes Glück und ein Riesenspaß noch dazu.

Das Logo zur Sendung "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?".
Das Logo zur Sendung „Geschickt eingefädelt – Wer näht am besten?“.

 Geschickt eingefädelt hat auch nichts zu tun mit Casting-Sendungen, wo dann einer weinend zusammenbricht. Es ist definitiv eine Sendung, die durch die Kandidaten besticht und durch deren Freude am Nähen.

 

… über seine Rolle in der Jury

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Guido und Tobias Milse. VOX/Andreas Friese

Wir sind ja alle drei aus der Mode und das verbindet uns auch. Wir kommen ja aus der gleichen Welt mit unterschiedlichen Ausrichtungen.

Es war ein bisschen so, dass ich der Partner der Kandidaten war, der zwischendurch mal schnell mal Tipps gegeben hat von hinten und ich war so ein bisschen der Gastgeber. Natürlich mussten wir dann nach einer Woche bewerten und auch einen gehen lassen. Für mich war bei der Bewertung handwerkliches Können ebenso wichtig wie Kreativität. Ich konnte es auch nie trennen von Person und der Aufgabe.

Für die Kandidaten waren manche Dinge absolutes Neuland. Ich fand es schön zu sehen, wie die sich eingelassen haben.  Bei der freien Auswahl der  Materialien, dachte ich manchmal, sie verlieren sich da. Aber ich habe ihnen vertraut und  wenn sie es dann gut gemacht haben, war ich begeistert.

 

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… über seine Mitjurorinnen Anke Müller und Inge Soltysik-Sparrer

Inge war so toll, weil sie so genau ist, sie ist (als Bundesvorsitzende des Maßschneiderhandwerks) unser aller Chefin, auch meine Chefin, aller die Textil sind. Inge hat so eine wahnsinnige Kraft, den Leuten alles zu erklären. Alle hatten Respekt vor Inge und wenn Inge etwas Nettes machte oder sagte ging immer die Sonne auf.

Anke, sie ist so kreativ, sie hatte für jeden Tag neue Looks und es war so schön zu sehen wie sie so eine Nähe zu den Kandidaten aufgebaut hat. Nicht nur die Kreativität sondern auch das, was die Hobbyschneider haben,  diese Experimentierfreude – dafür war Anke perfekt weil sie genau weiß, wie das geht und weil sie nicht nur Schnitte und Stoffe entwickelt, sondern auch in dieser Szene total zuhause ist. Das war einfach nur wunderbar für mich.

 

V.l.: Die Kandidaten Florian Lange, Meike Rensch-Bergner, Frank Brügers, Ines Maier, Celine Voigt, Tobias Milse, Katja Schirmer und Ella Steinmann.
Die „Geschickt eingefädelt“-Kandidaten Florian Lange, Meike Rensch-Bergner, Frank Brügers, Ines Maier, Celine Voigt, Tobias Milse, Katja Schirmer und Ella Steinmann (v.l.)  
© VOX/Andreas Friese

 

 

… über die „Geschickt eingefädelt“- Kandidaten und darüber was man als Kandidat braucht, um erfolgreich zu sein.

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„Anarcho“-Näher Frank Brügers © VOX/Andreas Friese

Zum einen braucht man das Grundverständnis für Mode und für das Nähhandwerk. Es reicht nicht nur aus, wenn man wunderschöne Bettwäsche nähen kann sondern es braucht schon etwas höheres Niveau. Ich war sehr erstaunt WIE hoch das Niveau unserer Kandidaten war. Manche sind natürlich dann irgendwann weggebrochen.

Ich habe auch viel von ihnen gelernt! Zum Beispiel,  Frank, der in der Sendung oft ins Schwitzen geraten ist war einer, der mir was beigebracht hat. Der hat immer so anarcho genäht und hat die Sachen ganz anders gemacht als wir das alle gelernt haben und ist trotzdem irgendwie ans Ziel gekommen und das ist auch irgendwie eine Kraft gewesen.

Es wurde natürlich am Ende immer schwieriger und da war ich oft erstaunt, wie gut die Kandidaten in der Lage waren, die Schnitte zu lesen und sogar schnitttechnische Veränderungen vorzunehmen. Das Niveau war wirklich sehr hoch, und das als Hobby! Aber wir suchen ja den besten Hobbyschneider und nicht irgendeinen, der ein bisschen nähen kann.

 

… über Nähpannen und das Schlimmste, was ihm je beim Nähen passiert ist

Vielen passiert ja schon mal wenn man was schnell fertignähen will, dass man mal rechts und links vertauscht in der Schnelligkeit. Gerade Hobbyschneider nähen ja oft abends und dann ist es dunkel und man hört ja auch nicht auf bevor es fertig ist. Und dann hatte ich am nächsten Tag Abgabetermin und da merke ich, ich habe rechts und links vertauscht.

Ein weiteres Erlebnis habe ich in meinem zweiten Buch beschrieben. Ein ganz flatternder, schöner, unheimlich aufwändiger, exquisit bestickter Tellerrock aus allen kleinen Stoffstücken, die ich so hatte… Den hatte ich für eine ganz liebe Kundin genäht, die Ballonfahrerin war und mich eingeladen hatte. Sie hatte so einen ganz schlimmen Sohn. In der Luft in diesem Moment der Glückseligkeit wollte ich ihr den Rock schenken. Sie liebte alles Flatternde und Volants und so und sie packt den Rock aus und sagt „Guck mal, wie schön!“ und der Junge nimmt den und sagt Jaaaaaa! und da flatterte er bereits weg und ich habe lange überlegt und dachte, ob er wohl je gefunden wurde?

Für meine Reaktion hätte ich einen Friedensnobelpreis bekommen müssen. Ich habe genäht und gestickt und war so verbissen und dann fliegt es weg! 

 

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  Die ganze Geschichte kann man in Guidos zweitem Buch nachlesen: „Eine Bluse macht noch keinen Sommer: Geschichten aus dem Kleiderschrank„, erschienen im Edel Verlag.

 

… über die Frage, ob er gemäß seiner Sendung Shopping Queen eher für ein gekauftes Outfit oder für ein selbstgenähtes Outfit volle zehn Punkte vergeben würde

Mit Punkten ist das schwer zu sagen. Es gibt Gekauftes mit zehn Punkten und es gibt Gekauftes, das kriegt nicht mal drei Punkte. Manchmal wundere ich mich, was für ein Schrabbel verkauft wird.  Einem selbstgenähten Teil sollte man keinesfalls ansehen. Wenn man auf den ersten Blick sieht, dass es selbstgemacht ist, dann ist das nicht so meins.  Mit dem Nähen kann man auch so seinen eigenen Stempel aufdrücken und die Fähigkeiten zu nähen ist für mich ein elementares Handwerk, das man haben sollte. Eigentlich ist das für mich mit Punkten gar nicht zu bewerten, daher: 10 Punkte sind es für mich, wenn jemand Lust hat, zu nähen und das verbindet mich auch mit den Kandidaten so sehr. Ich finde es toller, ein schlechtes selbstgenähtes Kleid zu tragen als irgendeinen billigen Schrabbel aus Asien zu kaufen, von dem ich nicht weiß, wo er herkommt.

 

… über den aktuellen Nähtrend in Deutschland

Es gibt ja nicht nur den Näh- und DIY-Trend, sondern man sieht es in ganz vielen Bereichen. Die Leute backen wieder gerne, sie schroten selbst, sie gärtnern und haben auch einen Hang zum Regionalen. Diese „Slow Bewegung“ ist so unglaublich schön, diese Zeit und die Entschleunigung, einfach sitzen, Freude am Selbermachen oder Modelleisenbahnen bauen… viele Menschen tun etwas in der Art. Es ist sehr schön zu sehen, welche Freude es macht, wie kontemplativ diese Tätigkeiten sind.  Nähen und Textil ist immer so eine Freude für uns und dieses Selbstgemachte, das ist ein großes Glück.

 

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… über das Nähen lernen und über das Nähen für Kinder

Man muss nicht gleich eine Nähmaschine kaufen sondern kann erst mal ausprobieren, ob es Spaß macht und ob einem das liegt.  Und wenn man angefixt ist, dann macht man das weiter.  Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten in diesen tollen Nähateliers und Nähschulen, das Nähen zu lernen, ein Gutschein dafür ist ja auch ein tolles Geschenk!  Man kann auch jemand fragen, wo er Nähen gelernt hat oder man sucht sich eine Nähgruppe! Da gibt es ja ganz viele, viele auch mit vielen jungen Müttern. Deshalb liebe ich die Sendung auch so: Junge Menschen und alle, die nähen, sehen wieder, dass es diese Handarbeit gibt, die unsere Mütter und Väter, Tanten und Großmütter immer konnten, weil es einfach zum Leben dazugehörte, zu nähen.  Viele, die Kinder bekommen sehen, wie schön es ist, für ihre Kinder zu nähen. Ich sage immer: Bitte näht für sie solange, bis  sich weigern. Weil das einfach süß ist und Freude macht!

 

…darüber, was er selbst am liebsten näht

Ich könnte  ja noch alles nähen aber mir fehlt die Zeit. Ich nähe wahnsinnig gerne Decken für die Babys meiner Freunde. Dann freue ich mich immer,  gesteppte kleine Decken zu nähen aus Kaschmir und Seide, damit sie  gleich wissen, wie es gut geht- Das ist immer schwierig mit dem Spucken aber viele, die diese kleine Decke haben, mögen sie sehr, mit den Initialen  darin und so.

„Ich selbst nähe ja am liebsten METERware – Bettwäsche, Vorhänge und Tischwäsche mit langen, geraden Nähten. Ich mag das, weil es so kontemplativ ist.“

 

 

… über den Preis für den Gewinner und die Zukunftsaussichten der Kandidaten

Die Kandidaten sind Hobbyleute, die alle von Hause aus etwas anderes machen. Sie haben sich alle total gefreut, die Chance  zu haben, Schnitttechnik in Paris zu lernen, da würde ich selbst mich sogar darüber freuen. Für jeden der näht ist das ein Traum, das ist die OBERLiga des Handwerkes, die Couture. Wenn man als Hobbymensch mal schauen darf wie es die Profis machen, das passt: Wir haben gesehen, wie sehr sie alles aufgesogen haben und wie wichtig ihnen das Knowhow war. Sie wollten uns gefallen, aber vor allem an sich selbst wachsen und sehen: „Ich bin in der Lage, das gut zu machen.“ Bei einem Kandidaten dachte ich, der hatte vielleicht nie jemand der sagte, das hast du aber toll gemacht.  Und deswegen ist der Preis so etwas Besonderes.

Wenn einer der Kandidaten ein richtiges Business aufmacht und das Nähen dann professionell  macht, da würde ich mich für jeden freuen, der sein Glück draus macht aber dass die Kandidaten gleich nächstes Jahr in die Sendung „Höhle der Löwen“ gehen, war nicht die Intention.

 

 

VOX/Andreas Friese
Das „Geschickt eingefädelt“-Atelier. VOX/Andreas Friese

Den Sieger erwartet eine unvergessliche Reise in die Modemetropole Paris, inklusive Gastaufenthalt an der berühmten und exklusiven Modeschule „École de la chambre syndicale de la couture parisienne“. Die 1927 gegründete Schule gehört zu den international renommiertesten Adressen für das Schneiderhandwerk. Weltbekannte Designer wie Karl Lagerfeld, Valentino und Yves Saint Laurent haben hier studiert und viele ehemalige Studenten dieser Schule arbeiten heute in großen Modefirmen wie Chanel, Chloé und Givenchy.

In verschiedensten Kursen wird das korrekte Drapieren an einer Schneiderpuppe, der Umgang mit Stoffen, das Modezeichnen sowie die einzelnen Schritte von der Zeichnung bis zum Kleidungsstück gelehrt. Für den Gewinner von „Geschickt eingefädelt“ wird somit der Traum vieler Schneider Wirklichkeit.

 

 

 

Uns hat Guido noch verraten, wie man durch die Sendung inspiriert mit dem Nähen anfangen kann und ob man dabei auf Trends setzten sollte:

Man soll bei sich anfangen, ich würde immer mich selbst nehmen oder ein Kind was ich Liebe oder vielleicht meinen Ehemann.  Irgendein Teil nehmen und damit einen Benefit erreichen dass es etwas gibt, was man also auch erleben kann. Nicht das Abendkleid nähen und dann werde ich eh nie zu einem Event eingeladen, da würde ich etwas machen was praktisch und real ist. Das ist eben das Schöne beim Selbstgemachten: Man kann Trends, die gerade laufen da auch gerne mal beiseite lassen. Wenn gerade Crepe de Chine in transparent angesagt ist, das kann relativ schwierig zu nähen sein. Da würde ich sagen: Was macht Sinn in meinem Leben, was würde mir Freude machen? Das allererste selbstgenähte Nachthemd oder vielleicht eine schöne sommerliche  Hängetunika, mit der ich nach Mallorca daher, das ist realistisch.

Und nicht zu kompliziert und einen Stoff zu nehmen, der einem auch alles verzeiht, Baumwolle, also kein Seidensamt, der unter der Maschine herfliegt sondern etwas, wo ich sagen kann, das kann ich zur Not auch mit der Hand machen. Denn wenn der Strom ausfällt haben wir alle drei den Vorteil, dass wir alle einfach weiterarbeiten können. Es dauert vielleicht etwas länger aber wir kriegen alles hin. Und das ist die Freiheit die wir haben und das ist die Message, die ich Leuten gebe:

Ein bisschen zurückfinden zur Natürlichkeit, das ist Nähen, das ist Selbstgemachtes für mich. Mehr noch als Trends nachlaufen oder so.

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„Nähen ist wie Zaubern können“ – Guido freut sich über unser Mitbringsel, ein Täschchen aus dem Loveboat-Stoff seiner Jurykollegin Anke.

Der Designer verrät uns, dass er große Taschen liebt, in denen er dann wohlsortiert in kleineren, praktischen Täschchen alles Wichtige verstaut.


Wir müssen zugeben, ein bisschen verzaubert sind wir auch und freuen uns sehr auf die Ausstrahlung der Sendung!

Geschickt eingefädelt – wer näht am besten?

Ab dem 3. November um 20:15 Uhr bei Vox!


Von links: Jurorin und Modedesignerin Anke Müller, Juror und Host Guido Maria Kretschmer und Jurorin und Bundevorsitzende des Maßschneidehandwerks Inge Szoltysik-Sparrer.
The Judges. © VOX/Andreas Friese

In anticipation of  Vox network’s „Geschickt eingefädelt – Wer näht am besten“ (the German version of the U.K.’s „Sewing Bee“), here on our blog we will introduce the panel of judges and the contestants, so that for the November 3rd premier you will already be in the know! Tune in Tuesday evenings at 7:15 GMT and watch 8 contestants sew their way through the different challenges given by the panel of celebrity judges.

For our English-language readers, we have here a condensed translation.  Perhaps you have a way to tune in, as well!  Click here for condensed english translation, please!